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Der Wow-Effekt im Mund

Mareike Hasenbeck ist Craftbier-Bloggerin. Bei den „Barkeeper-Awards“ wurde die freie Journalistin als beste Bierjournalistin im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet. Was sie an Craftbier fasziniert und welche Sorten man unbedingt probieren sollte, verrät sie im Interview.

 

Dein erstes Craft-Bier hast du wo getrunken?
Bei einer Genuss-Veranstaltung vor knapp sieben Jahren bin ich zufällig über mein erstes kalifornisches Pale Ale gestoßen. Es gab saftig gegrillte Steaks und US-Bier. Zugegeben habe ich vom Bier erst mal nichts Großes erwartet, aber als es dann über meine Lippen floss, war ich absolut begeistert. Das war ein echter Wow-Effekt und der Startpunkt meiner Bloggerinnen-Laufbahn. 

Schon mal eins probiert und wieder ausgespuckt?
Klar, hatte ich auch schon ganz grausame Sude am Gaumen, die ich am liebsten in den Gulli gekippt hätte. Ich sitze aber schon seit einigen Jahren in den Jurys der wichtigsten Bier-Awards rund um den Globus und da wird niemals ausgespuckt. Das Finish nach dem Runterschlucken ist ein wichtiges Bewertungskriterium, wenn man ein Bier professionell analysieren möchte. 

Dein Lieblingsbier?
Gibt es nicht! Es kommt immer auf die Situation an. Im Sommer bei heißen Temperaturen greife ich am liebsten zu erfrischenden Sauerbieren oder fruchtigen India Pale Ales. Zur Brotzeit passt ein bananiges Weißbier oder auch mal ein klassisches Helles. Im Winter genieße ich gern auch mal schokoladige Imperial Stouts oder kräftige Barley Wines. Bei der fast unbegrenzten Aromavielfalt, die die Craft-Bierszene bietet, möchte ich mich nicht auf nur eine Sorte festlegen.


Wenn Mareike Bier verkostet, lässt sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Neben Geschmack zählt auch der Geruch.

Mittlerweile bist du ja komplett angekommen in deinem Metier. War es am Anfang eigentlich schwierig als Frau in einer Männerdomäne oder eher Vorteil?
Ich würde es eher als Vorteil beschreiben. Zwar werden es immer mehr Frauen in der Craft-Bierszene, weil es inzwischen auch einfach so viele coole Möglichkeiten gibt, in dem Metier tätig zu sein. Aber wenn ich eine professionelle Verkostung leite, dann kommen die Männer immer noch ganz schön ins Staunen. Die meisten sehen Bier eben noch immer nicht als Genussmittel, sondern als billige Möglichkeit, sich die Rübe voll zu kippen.

Warum ausgerechnet Craft Beer?
Craft-Bier ist ein unheimlich vielfältiger Trunk, der mit rund 250 Hopfensorten und gut einem Dutzend Malzvarianten mehr Kombinationsmöglichkeiten zu bieten hat als beispielsweise Wein und inzwischen auch hierzulande in der Genussbranche angekommen ist. Fast jeden Tag kommt irgendwo in der Welt ein neuer Sud auf den Markt, den ich unbedingt probieren möchte. Außerdem steht hinter jedem Bier auch ein Brauer mit spannenden Ideen und Geschichten. 

Wann ist ein Craft Beer gut für dich?
Wie jedes andere Bier, sollte auch ein Craft-Bier vor allem keine Fehlaromen aufweisen. Ein gutes Craft-Bier braucht aber nicht nur Qualität, sondern vor allem Charakter. Ich will im Sud die Leidenschaft des Brauers, seine Kreativität sowie seine handwerklichen Fähigkeiten spüren und schmecken. Jedes Craft-Bier ist für mich eine neue Überraschung und bietet Stoff für nächtelanges Philosophieren.

Hat Craft Beer-Saison?
Craft-Bier fließt das ganze Jahr. Jeden Monat findet mindestens ein Tap-Takeover, eine Verkostung oder ein Craft-Bierfest irgendwo in der Republik statt. Kreativbierliebhaber können also durchgehende ihre Geschmacksnerven verwöhnen. 


2017 erhielt Mareike ihr Zeugnis über die Ausbildung zur Biersommeliére.

Wieso erlebt Craft Beer deiner Meinung nach seit Jahren einen so unglaublich großen Hype?
Man braucht sich bloß die Szene in den USA anzusehen, wo die Craft-Bierbewegung vor rund 30 Jahren entstanden ist. Junge Wilde brauten ihre eigenen Sude in Garagen oder Waschküchen, weil sie gelangweilt waren von den einheitlichen Leichtbieren der Großkonzerne. Hierzulande sieht die Situation der traditionellen Bier-Branche seit Jahren nicht besonders rosig aus. Etablierte Großbrauereien kämpfen mit ihrem Standardsortiment gegen anhaltendes Siechtum an und der Bierkonsum sinkt stetig. Seit der hiesigen Craft-Bierbewegung kommt wieder mehr Leben in die Branche. Bier wird nicht mehr nur als Feierabend- oder Wirkungsgetränk wahrgenommen, sondern als vielfältiges Produkt. Dies individuellen Bierspezialitäten gewinnen fernab des Mainstreams zunehmend neue Fans. 

Kannst du Sorten empfehlen?
Klar! Für Craft-Novizen würde ich als Einstiegdroge eher leichte Sorten wie ein modern interpretiertes Helles, Pils oder Weißbier empfehlen. Wer sich schon etwas mehr traut, sollte sich unbedingt an fruchtigen India Pale Ales oder auch mal an einer neuen Berliner Weiße versuchen. Ganz Mutigen rate ich zu einem fassgereiften Bier, das monatelang im Whisky-, Sherry- oder Weinfass reifte. Aber: Die Craft-Szene jedenfalls hat noch sehr viel mehr spannende Überraschungen parat.


Mareikes Tipps für Craft-Locations:

München: Ambar Bistro
Berlin: The Castle
Hamburg: ÜberQuell
Stuttgart: Kraftpaule
Mannheim: Taproom Jungbusch
Trier: Craftprotz

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