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Kunst aus dem 3D-Drucker

Mirko Kretzschmar und Peter Golab fertigen mithilfe eines selbstgebauten 3D-Druckers Kunstobjekte aus Stoffen und Materialien, die normalerweise im Müll landen würden. Ein Projekt für mehr Regionalität und weniger Abfall.

 

Kunststoff und Abfall komplett vermeiden – ein Szenario, das für viele immer mehr in den Fokus rückt, in der Praxis allerdings leider kaum durchführbar ist. Auch Peter Golab, Inhaber des Restaurants Goberg in Anger (Bayern), war der viele Abfall in seiner Küche schon länger ein Dorn im Auge. Wohin also mit Kunststoffeimern, PET-Flaschen und Kaffeesatz? Ganz vermeiden? Unmöglich, selbst wenn alles frisch gekocht und keine fertigen Lebensmittel verwendet werden. So kam es, dass er und sein Freund und Nachbar, Maschinenbau-Ingenieur Mirko Kretzschmar, auf die Idee kamen, all diese Reste wiederzuverwerten und daraus etwas Einzigartiges zu schaffen. Ihre Vision: Dingen, die eigentlich im Müll landen würden, neues Leben zu schenken.


Kretzschmar und Golab stellen mithilfe eines 3D-Druckers kreative Objekte aus Kunststoffresten und Kaffeesatz her.

Ein langer Prozess
Privat kennen sich Kretzschmar und Golab schon länger. Sie sind Nachbarn, verbringen viel Zeit miteinander. Vor etwas mehr als drei Jahren begannen die beiden zu tüfteln. Was könnte aus PET-Flaschen entstehen, wie kann Kaffeesatz wieder verwendet werden und wieso nicht auch Holzspäne kunstvoll verwerten? 3D-Druck faszinierte beide. Allerdings gab es bereits einige kreative Köpfe, die per 3D-Drucker Kunst entwarfen und erfolgreich präsentierten. Also musste etwas Außergewöhnliches her, etwas Größeres, etwas sehr Besonderes, das in dieser Art noch nicht existierte und die Arbeit der beiden somit einzigartig machte.

Mit herkömmlichen 3D-Druckern fertigten sie zuerst Prototypen. Zu Beginn nur aus Kunststoff, um sich an das Material zu gewöhnen, die Zusammensetzung zu verstehen. Dazu kamen nach einiger Zeit Kaffeesatz, Holzspäne und schließlich auch Hopfen, Kurkuma, Rote Beete oder auch Beton. Entscheidend für ein erfolgreiches Produkt war nicht nur die Zusammensetzung der Stoffe an sich, sondern auch die Haptik. In vielen Arbeitsstunden entstanden aus Plastikbechern und Holzspänen Obstschalen, aus Rote Beete oder Kaffeesatz in Kombination mit Kunstoffen Prototypen für Möbel und Wohnaccessoires. Als die Grundbasis nach eineinhalb Jahren geschaffen war, konnten die beiden ihr eigentliches Projekt starten – Big 3D.


Aus Kunststoff und Holzresten entstand eine dekorative Schale.

Viele Arbeitsschritte
Mirko Kretzschmar baute kurzerhand selbst einen 3D-Drucker, den größten den es zu dieser Zeit im Umkreis von 1000 Kilometern gab. Individuell auf ihre Arbeit abgestimmt, um gezielt große Objekte drucken zu können, ohne sie danach mühsam aus Kleinteilen zusammensetzen zu müssen. „Oberste Priorität war für uns das Außergewöhnliche. Wir wollten optisch und haptisch etwas schaffen, das auf den ersten Blick nicht nach Kunststoff aussieht oder sich so anfühlt“, erzählt Goland, der in seiner Freizeit leidenschaftlich gerne malt. In ihrer Werkstatt am Dorfplatz in Anger, in unmittelbarer Nähe zum Goberg, entstehen seitdem Sessel, Lampen, Schalen, Vasen oder Kunstobjekte in Originalgröße.

Kretzschmar ergänzt: „Jedes Produkt beginnt mit einem Entwurf. Wir überlegen uns eine Form und ich gestalte diese am PC, bis wir beide zufrieden sind. Dann programmiere ich, im Anschluss wird gedruckt. Der Drucker läuft je nach Größe des Objekts bis zu sieben Tage durch, Tag und Nacht.“ Das Gute dabei: Wenn etwas schief läuft, kann es einfach beliebig oft wieder geschreddert und neu verwendet werden. Das ist der Vorteil gegenüber vielen anderen Handwerksarbeiten.

 

Das gewisse Etwas
Es ist nicht einfach zu beschreiben, wie sich eine Lampe aus Kaffeesatz anfühlt. Die Oberfläche ist rau, aber doch sanft, sie ist strukturiert und dabei sehr gleichmäßig und homogen. Was man aber definitiv beschreiben kann ist der Duft, den die Lampe verbreitet, wenn man sie anschaltet: Es riecht nach Kaffee. Ähnlich wie bei einem Bett aus Zirbenholz, dem eine beruhigende Wirkung nachgesagt wird und das Raumklima verbessert, wirkt auch der Kaffeegeruch entspannend. Die beiden schaffen also mit ihrer Arbeit nicht nur gewöhnliche Möbelstücke, sondern etwas, das es so kein zweites Mal gibt: Denn weltweit gibt es niemanden, der via 3D-Druck Möbel oder andere Gegenstände aus Kaffeesatz und Kunststoff kreiert.

 

Grenzenloser Ideenreichtum
Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, weder denen von Kretzschmar und Golab, noch denen ihrer Kunden und Kundinnen. Gefertigt wird das was gefällt, unmöglich ist fast nichts. So entwerfen die beiden zum Beispiel Kunst- und Dekorationsobjekte für Unternehmen, in denen – versteckt in der Form – das jeweilige Firmenlogo zu sehen ist. Neben Möbeln und Accessoires können die beiden auch Rahmen für Fahrräder oder Halterungen für Tischplatten drucken.


Die Lampe aus Kaffeesatz versprüht einen leichten Kaffeeduft im Raum, wenn sie eingeschaltet ist,

 


Big 3D 
Dorfplatz 34
83454 Anger
www.big-3d.de

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